Das metabolische Syndrom - Epidemie des Wohlstandes

das metabolische Syndrom

Das Darm-Mikrobiom und der Zusammenhang mit der Fettverteilung

Der Begriff “Epidemie” müsste spätestens nach dem Jahr 2020 allen bekannt sein. Doch nicht nur Viren stellen für uns dabei eine Gefahr dar, sondern auch unsere Lebensweise. Übergewicht, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck, in Kombi als “metabolisches Syndrom” bezeichnet, sind längst nicht mehr Einzelfälle. Es wird in vielen wissenschaftlichen Artikeln vor der “Epidemie des Wohlstandes” gewarnt, denn die Auswirkungen sind extrem schädlich für Herz, Gefäße und weitere Systeme und können im Verlauf zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Aber wo ist jetzt der Zusammenhang mit dem Darm-Mikrobiom?

Das erklären wir dir jetzt näher: 

Ein sehr wichtiger Schluss konnte aus einer Studie gezogen werden, bei dem das Darm-Mikrobiom von adipösen, also übergewichtigen Organismen in keimfreie und gesunde Organismen transplantiert wurde. In Folge wurden auch die zuvor normal gewichtigen Organismen übergewichtig. Es konnte also ein direkter Zusammenhang zwischen dem Mikrobiom und Übergewicht hergestellt werden!

Nun verhält es sich so, dass nicht die paar Kilos auf der Hüfte das Problem sind, sondern die Fettverteilung den entscheidenden Faktor ausmacht. Denn besonders das Bauchfett im Bauchinnenraum, das viszerale Fett, ist das gefährliche. Und hier kommen wir zum Unterschied zwischen Männern und Frauen. Denn der Unterschied bei der Fettverteilung bei beiden Geschlechtern lässt schematisch mit den einfachen Geometrien von einem Apfel und einer Birne darstellen. 

Der Apfel beschreibt die mittig sitzende und kugelig geformte Fettmasse beim Mann, die “androide” Fettverteilung, während die Birne die kurvigen Linien und eher an Hüfte und Po ansässige Fettverteilung abbildet, welche bei Frauen überwiegen und als “gynoide” Fettverteilung betitelt werden. 

Das schließt nicht aus, dass es auch Männer mit Birnenform oder Frauen mit apfelartiger Gestalt gibt und auch Zwischenformen möglich sind, dennoch geht man bei der Bezeichnung von der Tendenz aus. 

Um das Ganze nun nochmal auf den Punkt zu bringen: es gibt eine gynoide und eine androide Fettverteilung, welche bei beiden Geschlechtern vorliegen können. Die androide Fettverteilung, mit Schwerpunkt im Bauchbereich geht mit einem größeren Risiko einher, da es sich dabei um sehr stoffwechselaktives Gewebe mit vielen Botenstoffen handelt. Obacht, wir reden hier nicht von dem kleinen Knödelfriedhof, den eine gesunde Person auch mit sich trägt, sondern von tatsächlichem Übergewicht!!!

In einer Studie aus dem Jahr 2019 wurde an Männern und Frauen detailliert die Fettverteilung gemessen und per Genanalyse das jeweilige Darm-Mikrobiom analysiert. Als Ergebnis konnte mit Klarheit festgestellt werden, dass je größer und diverser das Darm-Mikrobiom ist, desto geringer eine androide Fettverteilung vorherrscht.

Also hoch lebe die Vielfältigkeit des Mikrobioms!

In engem Zusammenspiel steht dies mit den Geschlechtshormonen. Bei Kindern vor der Pubertät, bei denen also die geschlechtsspezifischen Hormone noch nicht in großer Menge aktiv sind, gibt es zum Beispiel noch keine derartige Separation in der Mikrobiom-Zusammensetzung. Wie genau sich die Geschlechtshormone auf die Darmbakterien auswirken ist derzeit noch nicht genau bekannt, aber von großem Interesse für die Forschung, denn:

Die Feststellung, dass die Darm-Mikrobiom Zusammensetzung eine Auswirkung auf die Fettverteilung hat bildet eine großartige Grundlage dafür, in Zukunft an Analyseverfahren für Risikopatienten und Behandlungsoptionen für Menschen mit metabolischem und kardiovaskulären Risikopotenzial arbeiten zu können.

Bis dahin bleibt es an uns, fit zu bleiben und an unserer Mikrobiom-Vielfalt zu arbeiten :) 

Quellen:

Turnbaugh, Peter J et al., An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest in: nature journal, 2006 Dec 21;444(7122):1027-31. doi: 10.1038/nature05414

Min, Yan et al., Sex-specific association between gut microbiome and fat distribution in: Nat Commun 2019; 10: 2408

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