Expertinnenwissen von Dr. Anne Gürtler: Haut & Ernährung

Expertinnenwissen von Dr. Anne Gürtler: Haut & Ernährung

Dr. Anne Gürtler arbeitet an der Dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Mitglied der deutschen und europäischen Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Seit Ihrer Spezialisierung zur Ernährungsmedizinerin erforscht sie den Zusammenhang zwischen Ernährung und entzündlichen Hauterkrankungen. Wir haben ihr ein paar spannende Fragen zum Thema Hautmikrobiom gestellt, sowie Fragen zur Verbindung zwischen Darm und Haut.   

 

Unsere Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers und beherbergt mehr als 10 Milliarden Bakterienzellen, je nach Region zwischen 10² und 10⁶ pro Quadratzentimeter Haut. Nach dem Darm enthält die menschliche Haut die zweithöchste Anzahl und Vielfalt an Mikroorganismen. Als erste Verteidigungslinie des Körpers bildet die menschliche Haut eine physikalische und chemische Barriere gegen das Eindringen von Fremdstoffen oder Mikroorganismen und verfügt über ein Immunsystem, das bei der Abwehr von Infektionen hilft. Dies geschieht unter anderem durch die Symbiose von Bakterien. Die Verbindung zwischen unserem Darm- und unserem Hautmikrobiom ist so eng, dass die Haut als "Spiegel des Darms" bezeichnet werden kann - sie zeigt im Wesentlichen, wie "gesund" wir im Inneren sind.

 

Wir haben Dr. Anne Gürtler außerdem gefragt bei welchen Hauterkrankungen ein gestörtes Hautmikrobiom vorliegen kann, was bei der Haupflege beachtet werden sollte und welche Nahrungsmittel besonders vorteilhaft für die Haut sind. 
 

Kannst du 3 Anzeichen für die häufigsten Symptome/Anzeichen nennen, dass das Mikrobiom der Haut nicht mehr in Balance ist?

 

Dr. Gürtler: Ein eindeutiges Anzeichen kann man hier nicht nennen. Vielmehr kann ein gestörtes Hautmikrobiom Einfluss auf viele Hauterkrankungen haben, was sich dann unterschiedlich darstellt. Unsere Haut ist von unzähligen Mikroorganismen besiedelt, die meist in einem friedlichen Miteinander leben. Die Gesamtheit von Bakterien, Viren, Pilze und Milben wird als Mikrobiom bezeichnet. Bei einigen Hauterkrankung kann diese Balance gestört sein, sodass Entzündungen entstehen und Ekzeme aufflammen. So finden sich zum Beispiel bei Akne vermehrt sogenannte Cutibaterium acnes, bei Rosazea mehr Demodexmilben und bei Neurodermitis Staphylokkus aureus im Vergleich zu Hautgesunden.

 

Was kann man dagegen tun?

 

Dr. Gürtler: Eine gezielte Therapie kann zum Beispiel durch eine äußerliche Behandlung mit verschreibungspflichtigen Cremes eingeleitet werden. Hierzu sollte ein Hautfacharzt:in aufgesucht werden. Daneben kann der tägliche Lebensstil entscheidend sein. Bei der Hautpflege gilt nicht immer „viel hilft viel“. Täglich erlebe ich, dass bei Hautunreinheiten oft eine zu aufwendige Reinigungs-, und Pflegeroutine durchgeführt wird. Rückbesinnung auf drei Produkte kann hierbei der Haut helfen, sich zu regenerieren und ins Gleichgewicht zurückzufinden:

1. Milde Reinigung morgens und abends (keine groben Peelings, um Mikroverletzungen der Haut zu verhindern),

2. Hautpflege (duftstofffreie Pflege im Anschluss an die Gesichtswäsche),

3. Lichtschutz (am Morgen). Die Hautpflege sollte hierbei individuell auf den Hauttyp abgestimmt sein. Auch hierzu ist eine Beratung bei einem Hautfacharzt:in und/oder medizinischer Kosmetik empfohlen.

 

Was mich persönlich besonders fasziniert, ist die Verbindung zwischen Haut und Ernährung. Nach neuesten Erkenntnissen scheinen die Organe Haut und Darm nämlich enger verbunden zu sein als noch vor einigen Jahren angenommen. So liegt bei einigen Hauterkrankten neben einem gestörten Hautmikrobiom auch eine veränderte Zusammensetzung des Darmmikrobioms vor, bei denen einige Spezies vermehrt und andere vermindert im Vergleich zu Hautgesunden vorliegen. Unsere tägliche Ernährung gilt hierbei als wichtige Einflussgröße für das Darmmikrobiom. Klinische Studien untersuchen derzeit, ob durch die diätische Beeinflussung des Darmmikrobioms positive Effekte an der Haut herbeigeführt werden können.

Klinische Studien untersuchen derzeit, ob durch die diätischen Beeinfluung des Darmmikroboims positive Effekte an der Haut herbeigeführt werden können. Was man jetzt schon sagen kann: eine abwechslunsgreiche Ernährung geprägt von saisonalen, unverarbeiteten, pflanzlichen Grundnahrungsmitteln scheint (haut)gesundheitsförderlich zu sein. Besonders interessant sind Probiotika und Präbiotika. 

 

Probiotika: lebende Mikroorganismen, die dem Körper einen gesundheitlichen Nutzen bringen. Hierzu zählen zum Beispiel sogenannte Milchsäurebakterien und Bifidobatkerien. Diese können durch Fermentierung von Nahrungsmittel entstehen (Sauerkraut, Miso, Kimchi, Kombucha). Unterstützend können Sie auch als Supplemente eingenommen werden. Vorangegangene Untersuchungen mit Aknepatienten zeigten zum Beispiel, dass eine Probiotika Einnahme über mehrere Wochen das Hautbild verbessern kann und sich entsprechende Marker im Blut und Gewebe positiv verändern.1

 

Präbiotika: Nahrungsbestandteile, die der Körper nicht aufspalten kann, aber dessen Verzehr das Wachstum und die Aktivität von Darmorganismen fördert. Hierzu zählen zum Beispiel Stärke in Kartoffeln und Vollkorngetreide und Pektin in Obst und Gemüse.

  

Verrate uns dein go-to Skin Food Rezept!

 

Dr. Gürtler: Insbesondere unter der Woche versuche ich, das zu verwerten, was sich im Kühlschrank/in der Vorratskammer findet. Hierbei kombiniere ich gerne verschiedene Nahrungsmittelgruppen in einer herzhaften „Bowl“. Das Miso Tahini Dressing rundet alles ab.

 

Zutaten:

  • Komplexe Kohlenhydrate, gekocht

(z.B. Grünkern/Vollkornreis/Hirse/Bulgur/Kartoffeln/Couscous/Vollkornpasta)

  • Saisonales Gemüse, roh oder im Ofen geröstet

(aktuell im Herbst z.B.: Kürbis/Rosenkohl/Möhren/Rote Beete/Aubergine)

  • Saisonales Obst

(aktuell im Herbst z.B.: Apfel/Birne/Trauben/Datteln/Feigen)

  • Hochwertiges Protein

(z.B. Tofu/Tempeh/Hülsenfrüchte (z.B. Kichererbsen))

  • Hochwertige Fette

(z.B. Avocado/Nüsse)

  • Toppings

(z.B. Kresse/Hanfsamen/geröstete Zwiebeln)

  • Dressing: 70g Tahini, 2 EL helle Miso Paste, 1 TL frischer klein geschnittener Ingwer, 1 TL geröstetes Sesamöl, 1 TL Ahornsirup, 1 TL Sojasoße, 2-3 EL Wasser

 

Zubereitung:

Alle Dressing Zutaten mit einem Handmixer zu einer sämigen Soße pürieren. Die einzelnen Komponenten der Bowl nebeneinander platzieren und mit der Soße beträufeln.

 

 Quellen: 

  1. Fabbrocini, G., et al. Supplementation with Lactobacillus rhamnosus SP1 normalises skin expression of genes implicated in insulin signalling and improves adult acne. Benef Microbes 7, 625-630 (2016).
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